Wie repariert man einen Lautsprecher

Bei der Restauration alter Radiogeräte hat man öfter das Problem, daß Teile der Lautsprechermembrane eingerissen sind, oder aber mit Löchern behaftet sind. Auch kann es vorkommen, daß sich die Pappmembrane vom Korpus löst. Die Kleber der 30er und 40er Jahre waren noch nicht so stabil und langlebig, wie die heutigen modernen Kleber. Elektrisch sind die Lautsprecher aber fast immer noch vollkommen intakt. Will man das Gerät mit defekter Membrane betreiben, kommt es zu störenden Geräuschen und die Schäden können sich noch ausweiten. Das Problem kann aber relativ einfach und dauerhaft beseitigt werden.

Zur Reparatur benötigt man nur wenige Utensilien. Sehr gut geeignet ist dünner Vlies, wie er im Baumarkt oder Bastelgeschäft erhältlich ist. Es gibt auch Vlies, der zusätzlich mit Glasfaser verstärkt ist. Dieser wird verwendet, um Glasfieberteile zu reparieren oder neu zu formen. Man sollte beim Kauf darauf achten, möglichst dünnen Vlies zu bekommen. Darüber hinaus wird noch Holzleim (z.B. Ponal Expreß) sowie ein kleiner Borstenpinsel benötigt. Anstelle des Vlies kann bei kleineren Schäden auch Löschpapier verwendet werden. Es liegt häufig den Schulheften bei und wird von den Kindern eh nicht benutzt. Alles weitere ist im Hobbyraum vorhanden.

Doch nun zur eigentlichen Reparatur. Zuerst entfernt man den Lautsprecher aus dem Gehäuse und lötet die Anschlußdrähte zum Chassis ab. Jetzt reinigt man mit Druckluft und einem Pinsel den kompletten Lautsprecher. Die Schäden sind nun deutlich zu erkennen. Es können Risse, Löcher oder ein Ablösen der Membrane vorkommen. Die Reparatur erfolgt in aller Regel von der Vorderseite des Lautsprechers, also die Seite, die später nach außen zeigt.

1. Risse in der Pappmembrane

Risse sind sehr einfach zu beheben, da die ursprüngliche Membran ja noch vollkommen vorhanden ist. Man schneidet aus Vlies oder Löschpapier ein passendes Stück aus, welches den Riß komplett bedeckt. Es können auch mehrere Stücke verwendet werden. Wichtig ist nur, daß der Flicken mindestens 1cm größer, als der Schaden ist. Nun streicht man mit dem Borstenpinsel die Membrane um die schadhafte Stelle mit Holzleim ein. Er kann ruhig satt aufgetragen werden. Auf den Leim wird nun das Flickstück gelegt und von Hand gut angepreßt. Von der Rückseite kann man gegen halten, damit sich die Membrane nicht verzieht. Jetzt wird wiederum mit Holzleim und Pinsel die schadhafte Stelle behandelt. Der Vlies oder das Löschpapier sind nun völlig mit Leim getränkt und können aushärten. Wegen der Dicke der Leimschicht dauert dies mit unter bis zu 24 Stunden. Jetzt kann der Lautsprecher wieder verwendet werden.

2. Löcher in der Pappmembrane

Löcher werden genau wie Risse behandelt. Ist das Loch verhältnismäßig klein, wird ebenfalls ein Stück Vlies darüber gelegt und verklebt. Sind sehr große Fehlstellen vorhanden, wird's etwas schwieriger. Die Rundung der Membrane muß nachgebildet werden. Hierzu sind häufig mehrere Arbeitsgänge notwendig. Mit etwas Übung gelingt es aber recht gut. Zum Glück kommen diese großflächigen Schäden nur sehr selten vor. Auf jeden Fall sollte hier aber Vlies verwendet werden. Auch ist darauf zu achten, daß eine eventuell vorhandene Schwingspule (also bei dynamischen Lautsprechern) nicht aus ihrer Lage gebracht wird. Die Tauchspule muß frei im Magneten (früher Elektromagnet) schwingen können. Nur so ist eine spätere Funktion gewährt. Bild 4 zeigt eine solche Tauchspule.

3. Eine abgelöste Membrane

Auch dieser Fehler kommt häufiger vor. Die Schwingmembrane ist dann nicht mehr mit dem Korpus des Lautsprechers verbunden. Die Beseitigung dieses Fehlers verlangt ein wenig Fingerspitzengefühl. Ähnlich wie bei großen Löchern kann es auch hier passieren, daß die Tauchspule (bei dynamischen Lautsprechern) nicht mehr zentriert im Magneten sitzt. Je nach Material verwendet man unterschiedliche Kleber. Bei Lautsprechern, deren Korpus aus Presspappe (z.B. DKE) besteht, wird ebenfalls mit Holzleim gearbeitet. Bei Metall muß ein entsprechend anderer Klebstoff verwendet werden. (Metall auf Papier) Vor dem Ankleben wird Membrane und Korpus mit Spiritus gereinigt. Eventuell vorhandene Klebreste werden damit entfernt. Sind die Teile wieder angetrocknet, wird auf die komplette Klebstelle der Kleber aufgebracht. Nun wird die Membrane vorsichtig auf den Korpus gedrückt und justiert. Durch leichtes Eindrücken der Schwingspule kann man feststellen, ob diese nirgends anschlägt. Dies ist wichtig, da es ansonsten beim späteren Gebrauch zu Störgeräuschen kommt. Auch hier ist mit einer längeren Aushärtezeit zu rechnen.

Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Hier eine eingerissene Membrane. Der Vlies und der Kleber wurden bereits aufgetragen. Die Flickstelle im ausgehärteten Zustand. Die Schwingspule eines dynamischen Lautsprechers. (siehe auch im Text)

Sind alle Klebstellen vollständig ausgehärtet, kann der Lautsprecher wieder eingebaut und angeschlossen werden. Ich überprüfe ihn jedoch vor dem Einbau mit einem NF-Wobbler. Eventuelle Verzerrungen oder Störgeräusche können dadurch eindeutig dem Lautsprecher zugeschrieben werden. Natürlich können sich die akustischen Eigenschaften des Lautsprechers durch die Reparatur negativ verändern. Der Klang des Gerätes ist aber nach einer Reparatur immer noch deutlich besser, als ohne eine entsprechende Reparatur.

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