Die Behandlung alter Holzgehäuse

Aufgrund verschiedener Umstände sind die Gehäuse alter Radiogeräte oftmals in einem schlechten Zustand. Bereits beim Ankauf von Geräten ist es sehr wichtig, den Zustand richtig zu deuten. Bei Bakelit - Gehäusen fällt die Überprüfung recht leicht. Sind keine Risse vorhanden, so ist man in aller Regel auf der sicheren Seite und erlebt bei der späteren Restauration keine bösen Überraschungen. Anders sieht es allerdings bei Geräten mit einem Holzgehäuse aus. Hier können verschiedene Schäden auftreten, die oftmals nicht direkt zu erkennen sind. Auf jeden Fall muß man die verschiedenen Schäden beurteilen können. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle einen kleinen Überblick über die möglichen Probleme und deren Behebung geben.

1. Holzwurmbefall

Der Befall durch Holzwürmer tritt immer wieder mal auf. Besonders, wenn die Geräte feucht gelagert wurden, findet der Holzschädling ideale Bedingungen vor. Sehr oft sind die Füße (sofern aus Holz) des Gerätes betroffen. Häufig sind nur diese vom Holzwurm befallen. Das restliche Gehäuse weist keine Schäden auf. Dies tritt immer dann auf, wenn die Füße mit einem Holzkleber am Gehäuseboden befestigt wurden. Durch die Leimschicht fressen sich die Tierchen nämlich nicht durch.

Aber auch das restliche Holz kann befallen sein. Sind nur einige wenige Löcher vorhanden und ist die Struktur des Holzes noch gut, so besteht keine Gefahr. Meist sind die Schäden bereits vor Jahren oder sogar Jahrzehnten entstanden. Wer sicher gehen will, kann die einzelnen Löcher mit Hilfe einer Einwegspritze und "Holzwurm - Ex" behandeln. Ich beobachte neu erworbene Geräte immer eine Weile. Sind die Holzwürmer noch aktiv, so bilden sich kleine Häufchen Sägemehl in unmittelbarer Nähe der Löcher. Dann sollte man handeln. Ansonsten ist keine Behandlung nötig.

Vorsicht! Bei älteren Produkten gegen Holzwurmbefall wurde als Wirkstoff teilweise Lindan verwendet. Dieser Stoff ist krebserregend und kann das Erbgut schädigen. Heute darf Lindan nicht mehr verarbeitet werden. Bitte beachten Sie die entsprechenden Vermerke auf der Verpackung und führen Sie Altbestände dem Sondermüll zu. Neuere Produkte enthalten entsprechende Ersatzstoffe.

Sind Teile (besonders die Füße) des Gehäuses schon sehr stark zerfressen, so ist Vorsicht geboten. Die Füße sind in aller Regel noch leicht zu ersetzen. Bei kompletten Wänden wird's aber schon schwierig und man sollte Erfahrung im Schreiner-Handwerk besitzen. Ich lasse in aller Regel von solchen Geräten die Finger weg. Es sei denn, es handelt sich um sehr seltene Geräte und sie werden zudem günstig angeboten. Dann lohnt sich die Restauration. Ansonsten sollte man die Finger von solchen Geräten lassen.

Kleine Holzteile kann man übrigens auch in einen Backofen legen und mit ca. 70°C ein bis zwei Stunden behandeln. Dann sind alle Holzwürmer hinüber. Aber Vorsicht, durch die Hitze kann es zu Veränderungen der Oberfläche kommen. Auch können sich die Teile durch die Wärmebehandlung verziehen.

Eine weitere Möglichkeit, Holzwürmer dauerhaft zu beseitigen ist das starke Abkühlen der betroffenen Holzteile. Hierfür wird das komplette Gehäuse in eine große Plastiktüte eingepackt und kommt dann für ca. 8 Tage in die Tiefkühltruhe. Danach sind ebenfalls alle Holzwürmer abgetötet. Diese Methode hat den Vorteil, dass sie sehr schonend für das Gehäuse ist. Verformungen sind in aller Regel nicht zu erwarten.

2. Wasserschäden (Feuchtigkeitsschäden)

Mit am häufigsten findet man Wasserschäden und Feuchtigkeitsschäden vor. Je nach Einwirkdauer und Intensität können die Schäden sehr unterschiedlich sein. Da alte Gehäuse bis in die 40er Jahre mit Schellack überzogen wurden, wird dieser als erstes angegriffen. Ist dieser zwar matt aber noch vorhanden, so bewirkt eine gründliche Politur wahre Wunder. Im Fachhandel sind die verschiedensten Produkte erhältlich. Ich arbeite fast immer mit Antik - Wachs. Dieser wird mit sehr feiner Stahlwolle (000 oder feiner) entlang der Maserung aufgetragen und gut verteilt. Später kann der überschüssige Wachs mit einem Baumwolltuch entfernt werden und das Gehäuse wird poliert. In den meisten Fällen ist damit die Behandlung bereits abgeschlossen.

Ist der Schellack bereits abgeblättert, so muß eine neue Schicht aufgetragen werden. Hierzu wird zuerst einmal das Gerät komplett zerlegt, so daß nur noch das eigentliche Gehäuse übrig ist. Wenn möglich alle Zierleisten, die nicht aus Holz sind, entfernen. Jetzt erfolgt eine Grundreinigung innen und außen mit Druckluft. Danach wird das Holz mit einer rotierenden Stahlbürste behandelt. Diese darf nicht zu grob sein, da es sonst Kratzer im Holz gibt. Am besten, man probiert an einer unsichtbaren Stelle verschiedene Bürsten aus. Sie darf auch nur in Richtung der Holzmaserung angewendet werden. Auch feine Stahlwolle (000) ist für diese Arbeit geeignet.

Ist der lose Lack entfernt, wird das komplette Gehäuse mit Terpentin (Terpentinersatz) gereinigt. Man kann das Terpentin ruhig reichlich anwenden. Mit einem durchtränkten Lappen das Gehäuse gut abreiben. Jetzt ist auch der restliche Staub entfernt. Solange das Holz naß ist, sieht es schon recht gut aus. Das ändert sich aber, wenn es abgetrocknet ist. Es wirkt dann grau und matt und sieht schlimmer aus als vorher. Aber das macht nichts. Diese Arbeit sollte man nur in gut belüfteten Räumen durchführen. Auch muß das Holz vor der weiteren Behandlung völlig ausgetrocknet sein. Am besten, man stellt das Gehäuse in die Sonne.

Nun kann der neue Schellack aufgetragen werden. Dieser ist im Holzfachhandel erhältlich. Es gibt ihn entweder in Pulverform, welches in Alkohol eingerührt wird, oder aber bereits fertig angerührt. Ich nehme immer den fertig angerührten. Mit einem ca. 3 - 5 cm breiten Roßhaarpinsel (im Maler - Fachgeschäft) wird der Schellack parallel zur Holzmaserung aufgetragen. Dies erfordert etwas Übung. Auf jeden Fall ist der richtige Pinsel wichtig. Er muß sehr weich sein. In der Literatur wird auch, ein in Schellack getauchtes Baumwollsäckchen, verwendet. Ich habe dieses Verfahren jedoch noch nie getestet. Nach kurzer Zeit ist der Lack bereits angetrocknet und es erfolgt eine zweite Behandlung. Jetzt muß der Schellack komplett aushärten. Dies kann mehrere Tage in Anspruch nehmen. Völlig trocken, wird die Lackschicht mit sehr feiner Stahlwolle (000 oder feiner) entbehandelt. (nur in Richtung der Maserung !!!) Die letzten Unebenheiten werden dadurch entfernt. Das Gehäuse erstrahlt nun im alten Glanz. Je häufiger der Schellack aufgetragen wird, desto feiner und glatter wird nachher die Oberfläche. Natürlich kann auch nach dem schleifen wieder eine Schicht aufgetragen werden. Entspricht das Gehäuse den Wünschen des Restaurateurs, kann eine dünne Wachsschicht aufgetragen werden.

Doch nun wieder zu den Wasserschäden. Hat die Feuchtigkeit länger eingewirkt, so entstehen häufig Schimmelstellen oder das Furnier beginnt sich zu teilen. Dies sind Schäden, die wiederum viel Erfahrung verlangen. Schimmelbefall erkennt man daran, daß die Oberfläche einen weißlichen, leicht schmierigen Überzug besitzt. In diesem Fall muß das Gehäuse, am besten mehrere Wochen lang, getrocknet werden. Es darf keine Feuchtigkeit mehr vorhanden sein. Ist das Furnier noch in Ordnung, kann nun die weitere Behandlung erfolgen. Auf jeden Fall gut mit Terpentin (Terpentinersatz) reinigen und neuen Schellack auftragen. Leider sind später häufig Verfärbungen im Holz erkennbar. Man kann versuchen, vor dem Lacküberzug das Holz mit einer Wasserbeize zu behandeln. Dies vermindert zwar die Verfärbung, kann aber dazu führen, daß die Originaltönung verloren geht. Man muß selber entscheiden, was einen lieber ist.

Die schwierigsten Schäden sind Furnierschäden. Sind die Ablösungen räumlich eng begrenzt, kann das Furnier mit Holzleim befestigt werden. Hierzu mit einer Einwegspritze samt Nadel den Holzleim unter das Furnier spritzen und danach das Holz mit Schraubzwingen zusammen pressen. Damit sich der austretende Holzleim nicht mit dem Gegenholz verbindet, legt man ein Stück Zeitungspapier dazwischen. Feuchtet man das Furnier mit Wasser an, so wird es weich und geschmeidig. Es läßt sich dann besser biegen und bricht nicht direkt ab. Holzleim kann auch auf feuchtem Holz angewendet werden. Den überschüssigen Leim kann man nach dem Erhärten mit der Ziehklinge entfernen. Auch leichte Unebenheiten werden dadurch entfernt. Aber wie immer nur in Richtung der Maserung verwenden. Nach dieser Behandlung erfolgt wieder die Bearbeitung mit der rotierenden Stahlbürste und die darauf folgenden Arbeitsschritte.

Sind bereits große Furnierschäden entstanden und fehlen zudem Teile des Furniers, ist eine Restauration nur bei sehr seltenen und wertvollen Geräten interessant. Teilweise muß ein komplett neues Furnier aufgetragen werden und ist nur mit viel Erfahrung gut durchzuführen.

Oft kann man für ein paar Euro ein solches Gerät bekommen. Wenn sich jemand ernsthaft mit der Restauration beschäftigen will, ist dies ein ideales Versuchsobjekt. Man kann daran die verschiedenen Verfahren testen und muß nicht gleich an einem wertvollen Sammlerstück seine Erfahrungen machen. Neue Verfahren teste ich immer an solchen Radioleichen. Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, gehe ich an das eigentliche Objekt.

3. Löcher und Risse im Gehäuse

Kleine Löcher kann man mit Holzkitt verschließen. Diesen gibt's in verschiedenen Farben zu kaufen. Er wird leicht erwärmt und mit einem Spatel in das Loch eingedrückt. Nach dem Abkühlen wird der überschüssige Kitt mit der Abziehklinge (Maserung beachten) entfernt.

Große Löcher entstehen meist durch Sturz. Sie sind fast nicht zu reparieren. Ich habe in meiner Sammlung ein Gerät, welches auf einer Seite ein ca. 5 cm großes rundes Loch hatte. Der ehemalige Besitzer sagte mir, es sei durch einen Granatsplitter im zweiten Weltkrieg entstanden. Da ich das Gerät unbedingt haben wollte, mußte ich das Loch mit Holzspachtel schließen und anschließend die eine Seite neu furnieren. Man kann den Unterschied fast nicht mehr erkennen. Aber es ist einiges an Erfahrung notwendig und ich habe an Schrottgehäusen vorher einiges getestet.

Risse entstehen häufig, wenn sich eine Leimschicht unter dem Furnier löst. Sie werden im allgemeinen neu verleimt. Beim zusammen pressen der einzelnen Teile ist darauf zu achten, daß das Gehäuse nicht an einer anderen Stelle bricht. Solange Holzleim flüssig ist, kann der überschüssige Teil mit einem feuchten Tuch entfernt werden. Nach dem Aushärten benutzt man die Ziehklinge.

4. Gerät wurde überlackiert

Ja, auch das gibt es hin und wieder. Besonders in den 60er und 70er Jahren wurden hin und wieder alte Geräte mit dieser Maßname "verschönert" Ich fand vor einiger Zeit auf einem Flohmarkt einen Siemens Protos von 1930, der komplett mit grüner Farbe angemalt wurde. Da es ein recht seltenes Gerät war und ich durch das grüne Äußere einen guten Preis aushandeln konnte, habe ich ihn gekauft. Nach dem abbeizen der Farbe kam dann auch wieder die ursprüngliche Farbe zum Vorschein. Nach vielen Stunden Arbeit sieht das Gerät heute wieder wie im Original aus.

5. Unangenehme Gerüche

Auch das gibt es. Je nach Lagerung des Gerätes kann es sehr unangenehme Gerüche von sich geben. Ich hatte mal ein Gerät, welches über Jahre in einem Schweinestall stand. Es war wirklich unmöglich, dieses Gerät in meiner Sammlung zu belassen. Ich habe es daraufhin verschenkt. Der Nachbesitzer tat nach einigen Wochen das gleiche.
Bakelitgehäuse können recht gut gereinigt werden, jedoch Holzgehäuse, Bespannstoffe und das eigentliche Chassis lassen sich nur schwer von unangenehmen Gerüchen befreien.
Hier kann eine etwas unübliche Methode eine Linderung bringen. Man kaufe einen Sack Katzenstreu für die Katzentoilette. Dieses Granualt hat die Eingenschaft, Gerüche sehr gut zu binden. Man stellt das betroffene Gerät in eine luftdichte Kiste und diese komplett mit Granulat. Auch das Innere des Gerätes wird gefüllt. Nun lässt man das Gerät über mehrere Wochen in der luftdichten Kiste. Danach ist der Geruch deutlich gemindert. Das Granulat kann man übrigens mehrmals verwenden.

Schlußbemerkung

Beim Ankauf alter Rundfunkgeräte sollte man neben dem Chassis auch das Gehäuse kritisch unter die Lupe nehmen. Natürlich muß man seine eigenen Fähigkeiten, Schäden zu beseitigen, kennen. Beschädigte Geräte bekommt man in aller Regel zu einem weit günstigeren Preis, als komplett restaurierte Empfänger. Man muß aber immer bedenken, welche Maßnahmen notwendig sind, das Gehäuse wieder in Schuß zu bringen. Ist das Gehäuse in einem schlechten Zustand, ist auch häufig das Chassis entsprechend. Auch das ist zu beachten. Sind große Schäden wie Furnierschäden oder Löcher vorhanden, sollte man es sich sehr genau überlegen, bevor man das Gerät kauft. Nur bei wirklich alten und seltenen Geräten lohnt die Restauration. Auch wird ein z. B. neu furniertes Gerät nie den Wert erzielen, wie ein original belassener Radio. Mag es auch noch so perfekt bearbeitet sein.

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