Wie repariert man alte Kondensatoren

Der Kondensator und insbesondere der Elektrolytkondensator ist wohl das Bauteil, welches bei alten Radiogeräten am häufigsten zu Fehlern führt. Aufgrund des hohen Alters sind die Elkos häufig defekt. Solange die Leckströme des Bauteils noch in Ordnung sind, hat man lediglich mit einem Kapazitätsverlust zu rechnen. Es kommt aber auch häufig vor, daß ein mehr oder weniger großer Gleichstrom durch den Kondensator fließt. Spätestens dann sollte ein alter Kondensator ersetzt werden. Es können dadurch sehr leicht weitere Bauteile in Mitleidenschaft gezogen werden. Speziell die Netzelkos bzw. Entstörkondensatoren haben häufig diese Probleme. Schon öfter ist dem Sammler dadurch der Netztafo "abgebrannt". Soweit muß es nicht kommen. Ein Alarmsignal sind heiße Kondensatoren. Anders als Widerstände dürfen sich diese bei Gebrauch nämlich nicht erwärmen. In ihnen entsteht keine Verlustleistung, lediglich eine Blindleistung. Spätestens wenn ein Kondensator warm wird, bzw. erste "Rauchzeichen" von sich gibt, muß sofort der Netzstecker gezogen werden und der defekte Kondensator ersetzt werden.

Natürlich sieht ein neuer Kondensator in einem alten Gerät nicht gerade zeitgemäß aus. Hierfür gibt es aber eine Abhilfe. Die meisten alten Kondensatoren (Elkos) wurden in Rollenform hergestellt. Der Wickel wurde in ein Röhrchen aus Glas oder Pertinax, manchmal auch Hartpapier, eingebracht. Die Enden wurden mit einer Vergußmasse, meist Teer, geschlossen.

Bild 1

In Bild 1 ist ein solcher Kondensator zu sehen. Bild 2 zeigt den Wickel (unten) der aus dem Glasröhrchen (oben) entfernt wurde. Rechts und Links ist die Vergußmasse gut zu erkennen.

Bild 2

Um den Kondensatorwickel aus dem Röhrchen zu entfernen gibt es eine einfache Methode. Der Elko wird einfach für ca. eine Minute in kochendes Wasser gehalten. Der Teer wird dadurch zähflüssig und der Wickel kann durch Ziehen am Anschlußdraht herausgezogen werden. Ich habe mir hierfür einen alten Wasserkocher auf einem Flohmarkt zugelegt. Man sollte nicht unbedingt Eßgeschirr verwenden. Auch ist man damit unabhängig von einem Herd.

Nun wird der Wickel durch einen neuen Kondensator ersetzt. Da die heutigen Elkos in Ihrer Bauform viel kleiner als früher sind, ist der Einsatz problemlos. Wichtig ist nur, daß sowohl Kapazität als auch Spannungsfestigkeit mit dem alten Wert überein stimmen. Ich wähle häufig eine höhere Spannungsfestigkeit. Das schadet nie. Auch ist bei einem Elko auf die richtige Polung zu achten. Ideal eignen sich Elkos in axialer Ausführung, da die Anschlußdrähte bereits rechts und links (wie beim alten Wickel) heraus geführt sind. Aber auch die radiale Bauform bekommt man im Röhrchen unter. Die Anschlußdrähte sollten auf jeden Fall verlängert werden, abschneiden geht immer noch. Die Verlängerung aber direkt am Kondensator anlöten, damit man sie später nicht mehr sieht.

Bild 3

Hier in Bild 3 sind die Einzelteile gut zu erkennen. Oben das leere Glasröhrchen, in der Mitte ein neuer Kondensator (die Anschlußdrähte noch nicht verlängert) und unten das Etikett des Kondensators. Beim Kochen lassen sich diese mühelos und ohne Beschädigung vom Glas- oder Pertinaxröhrchen trennen. Später wird das Etikett wieder aufgeklebt. Nach dem Verlängern der Anschlußdrähte kommt der Kondensator in das Glasröhrchen. Da er oftmals dünner als der Originalwickel ist, muß er etwas fixiert werden. Er soll ja später in der Mitte liegen. Bewährt hat sich etwas Isotape, welches um den Kondensator gewickelt wird. Man kann ihn dadurch so dick machen, das er gerade noch in das Röhrchen hinein paßt. Nun fülle ich rechts und links etwas Heißkleber ein, damit der Kondensator richtig fest sitzt.

Bild 4

So sieht das ganze dann aus. (Bild 4) Das Röhrchen wird nicht komplett mit Heißklber befüllt, da ja das Original mit Teer befüllt war. Entsprechende Massen gibt es im Baumarkt zu kaufen. Sie werden verwendet, um Bitumenfolien zu kleben bzw. zu reparieren. Einfach mal die Regale im Baumarkt durchstöbern. Es findet sich sicherlich was. Aber Aushärten sollte die Masse schon. Auch Flüssiggummi habe ich schon verwendet. Der hat aber ewig gebraucht, bis er ausgehärtet war. Vor dem Einfüllen in den Kondensator sollte das Röhrchen aber bündig abgeklebt werden, sonst kleckert die "schwarze Soße". Hat man alles richtig gemacht soll's in etwa so, wie in Bild 5, aussehen.

Bild 5

Verwendet man richtigen Teer (den gibt's in kleinen Mengen beim Dachdecker) wird zum Schluß mit einem Microbrenner (ein kleiner Brenner, der mit Feuerzeuggas betrieben wird) der Teer kurz erwärmt. Dadurch wird die Oberfläche glatt und glänzend. Aber Vorsicht, sowohl Teer als auch Pertinaxröhrchen sind brennbar. Nach dem Aushärten wird das Klebeband entfernt. Mir ist die Verwendung von Teer aber zu umständlich, da er nur in flüssigem Zustand, also heiß, verarbeitet werden kann.

Ist, wie in Bild 3, noch ein Etikett aufzukleben, wird es nun mit Kleber befestigt. Mit etwas Übung sind die so überarbeiteten Kondensatoren nicht mehr vom Original zu unterscheiden. Auch Kondensatorblöcke (mehrere Kondensatoren in einem Gehäuse, oft mit gemeinsamer Masse) können auf diese Weise mit neuen Kondensatoren bestückt werden.

Die Vorgehensweise ist dabei ähnlich wie die hier beschriebene. Da die Becher häufig aus Aluminium oder Blech gefertigt wurden, muß darauf geachtet werden, daß im Innern keine Verbindung zum Gehäuse entsteht.

Noch eine Bemerkung zum Schluß. Der hier aufgeführte Vorgang funktioniert nur bei Kondensatoren, die auch entsprechend gefertigt wurden, also Teerkappen besitzen. Neuere Kondensatoren und insbesondere Elkos können nicht ausgekocht werden. In der Regel wurde bei diesen Typen Aluminium als Gehäusematerial verwendet. Diese Bauteile sollten auch nicht geöffnet werden.

Bei hochwertigen Geräten sowie bei Militärtechnik wurden teilweise auch PCB - Kondensatoren verwendet. (PCB = Poly Chlorierte Biphenyle) PCB sind sehr giftig und dürfen heute nicht mehr verarbeitet werden. In einem Loewe "Schlittschuh" habe ich z.B. PCB - Kondensatoren gefunden. Sie gehören zum Sondermüll. Bei aller Liebe zum Detail habe ich diese Bauteile entfernt und durch neue, ungefährliche Elkos ersetzt. PCB - Kondensatoren bilden aber in Radiogeräten die Ausnahme. Ich wollte aber an dieser Stelle trotzdem darauf hinweisen. Ausführliche Beschreibungen zu diesem Thema finden Sie u.a. in der Zeitschrift "Funkgeschichte Nr. 119" Jahrgang 1998 (Seite 151 ff) sowie in der Zeitschrift "Funk" Jahrgang 1984 (Seite 32 ff)

Bericht aus der Zeitschrift Funkgeschichte Nr. 119 / 1998


Zu diesem Thema erhielt ich am 20. Mai 2002 von Robert Haas einen Leserbrief, welcher ich an dieser Stelle gerne anfügen möchte. Vielleicht gibt es ja noch andere Sammler, die nützliche Informationen zu diesem Thema beitragen können.

Hallo Ralf,

Du hast ja eine tolle Seite hier. Ich hatte viel Freude beim Lesen. Ein kleiner Hinweis für die Gesundheit der Leser sei mir also gestattet:

Das PCB-Problem mit Elkos in alten Dampfradios ist nach meiner Erfahrung erheblich größer, als von Dir dargestellt: Du schreibst: "PCB - Kondensatoren bilden aber in Radiogeräten die Ausnahme." Ich habe die betreffenden Elkos in allen Geräten (AEG, Loewe-Opta, Telefunken, Saba, Imperial), die ich überarbeitet habe, gefunden; einige davon waren bereits ausgelaufen, dann ist größte Vorsicht beim Handling geboten. Hautkontakt vermeiden! PCB ist krebserregend nach MAK-Liste Klasse IIIB, und ein Erhitzen (auslöten) führt zu hochgradig giftigen Zersetzungsprodukten wie Dioxin! ("Seveso-Gift").

Bis Baujahr 1983 waren prinzipiell ALLE Hochspannungselkos PCB-isoliert. Wer Details wissen will, kann auch hier selber nachlesen: Zeitschrift Öko-Test 6/88, Artikel: "Das Gift, das aus der Lampe tropft". Ferner liegt mir eine Herstellerliste der Industrie mit den Typenzeichen PCB-haltiger Elkos vor.

Folgende Kennzeichnungen weisen auf PCB als Tränkmittel hin (je nach Hersteller): Cp, CD, C, CL, CP, CP25, Cl, CP40, CP50, CPA30, CPA40, CPA50, Clp30, Clp40, A30, A40, P, P25, 3CD, 4CD, CD, DC, Clophen, 3CD, 4CD. (Liste vermutlich nicht vollständig!) Oft ist es nur irgendwo ein kleiner Stempel auf dem Alugehäuse.

Um es noch mal deutlich zu sagen: Solange der Elko nicht leck ist, geht erst mal keine direkte Gefahr von ihm aus. Aber wer kann schon vorhersagen, wann es passiert, zumal in Dampfradios idR. eine höhere Umgebungstemperatur und damit verbunden raschere Alterung gegeben ist. Ich tausche, seit ich es weiß, grundsätzlich. Denn auch wenn eine eindeutige Kennzeichnung fehlt, ist nicht auszuschließen, das doch PCB drin ist. Vielleicht solltest Du das auf Deiner Seite ergänzen.

Tschüss und viel Spaß beim Weiterbasteln!

Robert


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