Die Reparatur einer Volksempfänger - Skala (VE301)

Über kurz oder lang fällt jedem Radiosammler ein sogenannter Volksempfänger in die Hände. Das früheste Modell dieser Baureihe ist der Volksempfänger VE301. Er wurde erstmalig 1933 von der Radioindustrie angeboten. Dieses Modell gab es je nach Netzspannung mit unterschiedlichen Typenbezeichnungen. Auch wurde 1937 das Chassis etwas modifiziert.
Einen Überblick über die verschiedenen Volksempfänger - Modelle finden Sie hier:
Alle Modelle haben jedoch eines gemeinsam. Der Abstimmkondensator wird mittels eines Friktionsantriebs betätigt. Die Skalenscheibe läuft dabei zwichen zwei ringförmigen Federringen der Antriebssachse. Mit der Zeit nutzt sich die Skalenscheibe ab bzw. schrumpft, sodass die beiden Federringe die Skala nicht mehr greifen können. Als Folge lässt sich der Abstimmkondensator nicht mehr betätigen. Um dieses Problem zu beseitigen, müsste eigentlich die Skalenscheibe gegen eine neue ausgetauscht werden. Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, dieses Problem zu beheben. Damit die Originalität des Gerätes erhalten bleibt, werden keine Änderungen durchgeführt, die später nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten.

Hier nun die ausführliche Beschreibung:

Nach der Chassisdemontage entfernt man als erstes die Skala. Hierfür wird einfach die Schraube an der Achse gelockert. Nun kann die Scheibe problemlos abgezogen werden.

Jetzt wird geprüft, ob der Drehkondensator leichtgängig ist. Im Idealfall fällt der er von alleine in seine Ausgangsposition (eingerdeht, wie im Bild) zurück. Ist dies nicht der Fall werden die beiden Gleitlager rehts und links am Rotor mit einem Entfetterspray gereinigt und anschließend mit harzfreiem Öl (Waffenöl, im Baumarkt erhältlich) geölt. Bei einigen Modellen kann der Rotor mittels Einstellschraube justiert werden. Durch geringfügiges Öffnen dieser Schraube (Drehko im Bild besitzt diese Schraube nicht) wird der Lauf ebenfalls deutlich verbessert. Die Platten von Rotor und Stator dürfen sich jedoch nicht berühren. Auf gleichmäßigen Abstand ist zu achten. Die Schraube also keinesfalls zu viel lösen.

   

Ist der Drehkondensator soweit vorbereitet, werden anschließend die beiden Ringfedern mit einem Flachschraubendreher geringfügig aufgebogen. Es sollte ein etwa 1-2mm breiter Spalt entstehen. Hier im Bild sind die beiden Ringfedern und der kleine Spalt in der Mitte deutlich zu sehen.

   

Als nächstes benötigt man einen O-Ring. Im Baumarkt gibt es ganze Sortimente dieser kleinen Gummiringe zu kaufen. Ein solches Sortiment sollte in keiner Hobbywerkstatt fehlen.

   

Der O-Ring wird nun, wie hier im Bild gezeigt, auf die beiden Federringe aufgezogen. Er sollte schon recht stramm sitzen, damit er später nicht von alleine abspringt. Wichtig ist, dass er etwas dicker als die beiden Federringe ist, jedoch nicht zu dick. Die Achse muss auf jden Fall noch leicht drehbar sein, der O-Ring also nicht hinten am Chassis anliegen. Zur Not kann zwischen Chassis und Federring eine dünne U-Scheibe auf die Achse aufgeschoben werden. Diese sorgt für den genügenden Abstand. Die komplette Achse kann recht einfach vom Chassis demontiert werden. Es muss lediglich ein Sprengring gelöst werden.

   

Sollte die Rundskala nach innen oder außen gewölbt sein, wird diese zunächst begradigt. Hierfür wird die ausgebaute Skala mit einem Heißluftfön so lange erhitzt, bis sie sich leicht verbiegen lässt. Im warmen Zustand wird sie auf eine ebene Fläche gedrückt und so lange gehalten, bis sie wieder erkaltet ist. Nun sollte die Wölbung verschwunden sein und die Skala wieder einer Scheibe gleichen.

Vorsicht mit dem Heißluftfön. Das Zelluloid ist sehr empfindlich. Nicht zu stark erwärmen sonst ist die Skala dahin.

   

Anschließend wird die Skala wieder auf die Drehkoachse aufgeschoben. Dabei so weit nach hinten schieben, bis die Skala mit leichtem Druck gegen den O-Ring drückt. Nach der Justage kann die Feststellschraube auf der Achse wieder angezogen werden. Achten Sie auf die richtige Stellung der Skalenbeschriftung.

Jetzt sollte die Abstimmeinheit wieder einwandfrei funktionieren und das Chassis kann wieder ins Gehäuse eingebaut werden. Beim Einbau darauf achten, dass die Skala unter den Lautsprecher geschoben werden muss.

Manchmal kann es vorkommen, dass nach dem Einbau die Skala trotz allem schwergängig ist. In aller Regel reibt dann das obere Stück der Skalenscheibe (das Teil hinter dem Lautsprecher) am Filzrand des Lautsprechers. In diesem Fall ist das Filz an dieser Stelle zu entfernen.

   

Nach dieser Methode habe ich schon viele VE's restauriert. Auch ein technischer Laie kann ohne großen Aufwand diesen kleinen Umbau bewerkstelligen.

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